Phytotherapie

‚Im Menschen sind Feuer, Luft, Wasser und Erde, und aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die Wärme, von der Luft den Atem, vom Wasser das Blut und von der Erde den Körper. Dem Feuer verdankt er das Sehen, der Luft das Gehör, dem Wasser die Bewegung und der Erde seinen Gang.‘  Hildegard von Bingen

Die Arbeit mit Pflanzen und Pflanzenstoffen (Phytotherapie, phyto = Pflanze, therapeia = pflegen) ist eine der ältesten und berührendsten Therapieverfahren und gehört zu den volksheilkundlichen Behandlungsmassnahmen, die sich hauptsächlich auf überlieferte Erfahrungen stützen. Es gibt sie auf allen Kontinenten in allen Kulturen. Und sie ist die sanfteste und natürlichste Art der Medizin.
Für mich ist sie auch deshalb so spannend weil sie so eng mit den Mythen und Sagen, den Geschichten und Märchen verbunden ist. Wie bei Frau Holle im Holunderbusch, der holden Frau, der germanischen Göttin Frija, der Schutzgöttin der Liebe und des Lichts, die alles in sich aufnimmt und an die Erde abgibt auf dass es sich wandeln darf.

 

beinwellsalbe

Beinwell (Symphytum officinale) fügt zusammen (symphys = zusammenfügen), lässt wieder zusammen wachsen (Bein = Knochen, well = wachsen), ist die Bodenständige, der Arbeiter, durchheilend und tiefgreifend, für alles was Aua macht und sind das Grundnahrungsmittel der Regenwürmer (deshalb gut auf dem Kompost). Sie wachsen in Graslandschaften auf schweren feuchten Böden und haben schwarze (innen elfenbeinfarbene) Wurzeln. Ihre lilanen (selten weissen) Blütenköpfe hängen zu Boden, sind Mutter Erde zugewandt und Venus affektiert (venöses System). Gesundes Vieh lässt Beinwell auf der Weide stehen. Man kann die grossen, fleischig haarigen Blätter im Salat oder aus der Butterpfanne essen, zum heilen verwendet man jedoch ausschliesslich die Wurzel. Als Tee (chron. Entzündungen der Atemwege, Magengeschwüre, Tuberkulose, Durchfälle) oder als Bad (rheumatische Schmerzen, Krampfadern, Geschwürerkrankungen, Ekzeme) oder in Salben (Wunden, Knochenerkrankungen und -verletzungen, Rheuma, Gicht, Arthrose, Nagelbettentzündungen, Venenentzündungen, Hauterkrankungen, Ekzeme, Neurodermitis, Psoriasis, Wundsein (das Beste für wunden Babypopo), Hornhautrisse, Brandwunden, Überbeine, Fernsensporn).

REZEPT

250g Wollfett aus der Apotheke (ich empfehle die Zieten Apotheke in Kreuzberg)
50-100g frische Beinwellwurzel
Kochtopf
Schraubglas ca 400ml
Öl (ich nehme immer selbst gemachtes Johanniskrautöl)

Gegraben wird vor dem ersten Bodenfrost im Okt ca, oder kurz nach dem letzten im März. Zu der Zeit ist von der Pflanze nichts mehr zu sehen. Unsere Lehrerin sagte immer, sie wird nach dir rufen. Und es stimmt. Folgt eurem Gefühl über die Wiese. Man erkennt den Standort an den grossen, zerfallenen, braun schwarzen Blättern die sich mit der Erde vereinen zu wollen scheinen (ähnlich angefrorenen Salatblättern an der Rückseite des Kühlschranks, die beim anfassen in glitschig schleimige Substanz zerfallen). Es ist schön der Pflanze beim Graben davon zu berichten was man mit ihr vorhat und ein kleines Geschenk da zu lassen (Brotkrumen oder etwas Tee in das Loch geben bevor ihr es wieder zu macht). Und grabt niemals die ganze Wurzel aus, damit die Pflanze im neuen Frühjahr auch wieder kommen darf.

Wurzel gut abwaschen, nicht schälen, gerne mit grünen Trieben in kleinere Stücke und Scheiben schneiden (Schleim tritt aus) und abtupfen.

Wollfett im Glas im Wasserbad schmelzen und die Wurzel hinzu geben. Das ganze dreimal ca 4-6h im Wasserbad köcheln lassen. Achtung! Dabei aufpassen dass kein Wasser ins Glas spritzt (das wollen wir ja gerade los werden) und dass immer genug Wasser im Topf ist (Explosionsgefahr). Also nicht unbeaufsichtigt!
Nach jedem Kochvorgang warten bis das Fett wieder hart ist und die Wurzel darin eingeschlossen (schaut sie raus läuft es Gefahr zu schimmeln), erst dann den Deckel drauf machen. Die Kochvorgänge müssen nicht direkt hintereinander stattfinden, es können auch mehrere Tage dazwischen liegen, je nachdem wie ihr Zeit habt.

Nach dem dritten Mal die noch flüssige Salbe durch ein Sieb abseien (am Besten in einen Krug) und mit dem Öl vermischen (je mehr Öl, desto weniger zäh wird die Salbe, ein kleines Fläschchen mit ca 50ml reicht völlig). Direkt in Salbentöpfe (Größe je nach Belieben, am Besten aber undurchsichtig) füllen, erkalten lassen und fest verschliessen.

An einem kühleren dunklen Ort (in der Badezimmerschublade zb) ist die Salbe ewig haltbar.

 

johanniskrautöl

Johanniskraut (Hypericum) ist eine sagenumworbene magische Pflanze. Nach einer Überlieferung zerstach der Teufel die Blätter mit einer feinen Nadel, weil ein von ihm bedrängtes Mädchen hinter einem Johanniskraut Schutz suchte. Die kleinen Löcher in den Blättern sind jedoch Drüsen die mit farblosem Öl gefüllt sind. Zerreibt man die gelben Blüten zwischen den Fingern tritt ein rostrot gefärbter Saft (Hypericin) aus, der wie Blut aussieht. Deshalb heisst das Johanniskraut mancherorts auch Blutkraut.
Johanniskraut beginnt meist um die Sommersonnenwende an zu blühen und soll gegen alle Krankheiten, Blitze, Hexen und Geister schützen, wenn es in der Johannisnacht (24.Juni) gepflückt wird. Auch für Liebeszauber wurde es verwendet.
Als Tee hat es eine wundheilende Wirkung und wirkt harntreibend und antidepressiv, gut bei Magen- und Darmkatarrh, Mensisbeschwerden und Depressionen (min 14Tage einnehmen).

REZEPT

Blüten und Knospen am Kraut in ein Glas füllen und mit hellem Öl (Sonnenblumen, Raps, Oliven) übergiessen (darauf achten dass die Pflanze völlig bedeckt ist, sonst fängt es an zu schimmeln). Eine Woche unverschlossen (nur mit Tuch bedeckt) und sechs Wochen verschlossen in die pralle Sonne stellen. Wenn das Öl eine tiefrote Farbe bekommen hat kann es abgeseit und in dunkle Flaschen gefüllt werden).
Gut ab 5Jahren bei Verstauchungen, Prellungen, Sehnenscheidenentzündungen, Hexenschuss, Nervenschmerzen und leichtem Sonnenbrand.

 

eicheltee

Die Eiche ist der Wohnsitz des Donnergottes Thor (Donar) und steht für die (Lebens)Kraft. Eichen wachsen sehr langsam und werden sehr alt (800-1000Jahre). Erst mit 60-80Jahren kommen sie in die Pubertät und fangen an zu blühen. Alle 2-7Jahre wachsen Eicheln an den Bäumen. Mastjahre nennt man dies auch heute noch weil Eicheln einst das wichtigste Futtermittel für Schweine waren, die dadurch kerniges Fleisch bekamen.
Ausserdem nutzt und nutzte man Eichenrinde zur Herstellung von Gerberlohe (für Leder), Eichengalle zur Bildung schwarzer Tinte, zum Schiffs- und Möbelbau und zur Herstellung von Wein- und Cognacfässern.
Die Rinde wird medizinisch (1kg getrocknete Rinde auf 5l Wasser) eingesetzt bei Schweissfüssen, nässenden Ekzemen, Frostbeulen, Zahnfleischentzündungen, Hämorrhoiden, chronischen Hauterkrankungen und zur Wundreinigung. Es wirkt schmerz- und blutstillend.
Dem keltischen Baumkalender nach wird Menschen die am 21.März geboren wurden eine unverwüstliche Lebens- und Durchhaltekraft nachgesagt.

REZEPT

Eicheln sammeln, schälen und zerkleinern. Auf einem Tuch durchtrocknen lassen, gegebenenfalls mehrfach wenden. Wenn richtig trocken in der Kaffeemühle zu Pulver mahlen. Wie türkischen Kaffee in der Tasse aufbrühen und mit Milch und Honig verfeinern.
Gibt ein wohlig warmes Gefühl, körperlich und seelisch, nimmt in den Arm und die Angst.